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DAS LEBEN IN DEN GARNISONEN. Die Garnisonen bestanden aus schönen, modernen Kasernenanlagen, meistens gebaut in Zusammenhang mit der deutschen Aufrüstung vor dem zweiten Weltkrieg. Die Kasernen waren geräumig, in der Regel dreigeschossige Blocks mit guten Lagerräumen und Depots. Neben der Kaserne gab es einen Gymnastiksaal oder Exerzierhalle, ein Wachlokal und den Arrest. An einzelnen Orten gab es auch ein Schwimmbassin; in Northeim gab es sogar Wasser von einer temperierten Quelle. Alle Wege waren asphaltiert und eigneten sich unter anderem gut zum Exerzieren in geschlossener Ordnung. Rund um das Ganze gab es einen soliden Zaun, der den Wachdienst leichtmachte. Die Offiziersmesse befand sich nach deutschem Brauch nicht innerhalb der Anlage; sie wurde statt dessen in Hotels oder geeigneten Gebäuden außerhalb der Lager eingerichtet. Die Lager bekamen Namen mit Verknüpfung zur norwegischen Geschichte wie Hegra, Bergenhus und Narvik. Über ihnen wehte die norwegische Flagge. Das eine war die Lagerflagge, die auf die selbe Weise gebraucht wurde wie zu Hause. Die andere wehte rund um die Uhr auf dem höchsten Gebäude und war nachts von einem Flutlicht angestrahlt. Das war die Okkupationsfahne, die unseren Status und unsere Rolle symbolisierte. Das, was das Leben in den Garnisonen zu allererst prägte, war die Ausbildung, die teilweise in den Lagern selbst, teilweise in der näheren Umgebung vorgenommen wurde. Die erste Zeit, nachdem ein Kontingent gewechselt hatte, diente der Grundausbildung. Danach folgen kleinere Abteilungsübungen. Die größeren Übungen hingegen wurden auf zentralen Truppenübungsplätzen durchgeführt. Die Verköstigung basierte auf britischer Verpflegung, mit dem kleinen Unterschied, daß wir Kaffee an Stelle von Tee bekamen. Ab und zu erzeugte die britische Kost en bißchen Hungergefühl, aber Untersuchungen zeigten, daß sie genügend Kalorien und Vitamine enthielt. Demgegenüber enthielt sie weniger Ballaststoffe, als wir das gewohnt waren. Der Hunger war dann doch nicht so groß, als das nicht ein Teil des Gemüses - von dem mehr vorhanden war als bei norwegischen Rationen - auf dem Tisch blieb. Wir vermißten grobes Brot, frische Milch, mehr Kartoffeln und unseren Fisch sehr, wobei die Brigade machte, was sie konnte, um diesen Bedarf zu stillen. Es war aber schwierig, im Rahmen der Gesamtverordnung Sonderwünsche durchzusetzen. Eine ungewohnte aber hochwillkommene Unterbrechung in der Eintönigkeit der Versorgung war diejenige Ration, die während der Manöver ausgeteilt wurde, wenn das Wetter zu schlecht für anderes war. Dafür galten strenge Regeln und es mußte noch an Ort und Stelle genossen werden, weil niemand seine Ration an andere geben sollte. Die Wohlfahrt lag in der Verantwortung des Chefs, aber jede Abteilung hatte einen Wohlfahrtsoffizier, der tagsüber unmittelbar zuständig war. Viele verschiedene Wünsche und Interessen wollten zufriedengestellt werden was dazu führte, daß der Wohlfahrtsdienst für eine ganze Reihe von Dingen zuständig wurde, sowohl innerhalb wie auch außerhalb des Lagers. Die meisten Lager hatten ein paar Mal die Woche Kinovorführungen. Aus Norwegen kamen Leute, die Vorträge gehalten haben; Künstler gaben Vorstellungen.Außerdem gab es eine Reihe musikalischer Talente in den Abteilungen, aus denen das Musikkorps, eine Jazzband sowie ein Chor gebildet wurden - zur Freude derer, die beteiligt waren aber auch für andere. Andere hatten Schauspielertalent und organisierten Theatergruppen, die Stücke aufführten. Auch gab es Lagerzeitungen, die eine doppelte Funktion hatten: Einerseits waren in ihren Nachrichten aus der Heimat abgedruckt, andererseits wurde über Ereignisse des Lagerlebens auf dieselbe spaßhafte Weise berichtet wie das in den Theatergruppen dargestellt wurde. Der Wohlfahrtdienst war auch für die Beschaffung von Karten für deutsche Oper- und Operetteauführungen sowie für Theater, Konzert und Shows zuständig. Die Frage, wie man den Deutschen begegnen sollte, die sogenannte Fraternisierungsfrage, war übrigens eine heikle Sache. Als das erste Kontingent nach Süden sollte, war die Besetzung Norwegens in frischer Erinnerung und der Gedanke, mit Deutschen umgehen zu müssen, abstoßend. Allgemein war man absolut gegen jeden Umgang mit Zivilisten. Aber die Sache war nicht so einfach, und man kam gar nicht umhin, hier und da Rücksicht zu nehmen. Wir waren ein Teil der britischen Streitkräfte und waren denselben Regeln unterworfen. Aber die Briten hatten eine etwas "mildere" Einstellung; sie hatten ja auch keine Okkupation erlebt. Auch in Norwegen gab es einzelne, die behaupteten, es sei nicht richtig gewesen, die Deutschen zu isolieren, sondern daß man lieber Kontakt mit den guten Kräften unter ihnen sollte - der Kontakt mit den weniger guten unter ihnen war sowieso nicht zu verhindern. Unsere Anweisungen wurden ein Kompromiß - etwas milder als die Volksmeinung zu Hause und etwas strenger als die Einstellung der Briten. Als die Brigade nach Schleswig-Holstein verlegt wurde, kam sie in Kontakt mit einer bedeutsamen dänischen Minderheit und nach und nach änderten sich die politischen Verhältnisse. Daraufhin wurden die Bestimmungen gradweise angepaßt, worauf hin Gelegenheit bestand, ins Restaurant zu gehen, an Tanzveranstaltungen teilzunehmen sowie Kinobesuche vorzunehmen. Sport wurde sowohl während der Dienstzeit als auch in der Freizeit ausgeübt, organisiert von einem Sportoffizier in jeder Garnison. Während der Dienstzeit gab es in der Regel zwei Stunden Gymnastik und zwei Stunden Konditionstraining pro Woche, außerdem ab und zu Orientierungslauf. In der Freizeit dominierten Fußball und Übungen für Sportabzeichen. Die übrigen Leistungsabzeichen wurden während der Dienstzeit erworben. Es wurden viele Wettkämpfe durchgeführt, erst innerhalb der Kompanie und dem Bataillon, danach kamen die besten zur Brigademeisterschaft, die aus Geländelauf, Militärlauf, Orientierung, Sport in der Halle, Schwimmen, Tennis, Tischtennis, Handball, Fußball sowie Gewehr- und Pistolenschießen bestand. Die Besten der Brigademeisterschaft nahmen an alliierten Wettkämpfen teil, zuerst in dem Distrikt, dem sie angehörten, später dann an der Meisterschaft für die gesamte britische Zone. So wurde die Brigade in vielen Meisterschaften mit mehreren guten Plazierungen repräsentiert - Brig. 521 gewann 13 Übungen im Außensport bei der Meisterschaft des Distriktes Hamburg und Brig. 522 gewann den ersten Preis im Geländelauf. Die Brigade nahm auch an alliierten Skirennen teil. Brig. 511 gewann mehrere alliierte Wettkämpfe im Harz und Brig. 512 machte reinen Tisch bei der Zonenmeisterschaft in Bad Hofgastein in Österreich. Hier nahmen 13 Mann teil, die die sieben ersten Plätze bei Skilanglauf belegten und im übrigen alle die Gewinne der ersten Plätze für sich verbuchten. Die Kantine war der Versammlungsort für den Soldaten, wenn der Tag mit Exerzieren in Wind und Wetter und anderer langweiliger Dienste vorbei war. Dort trank er am liebsten mehrere Gläser Bier oder nur einen Tee oder Kaffee. In der Kantine herrschte "Asylrecht", d.h. daß nur Soldaten bis zum Dienstgrad Korporal Zugang hatten. Dort konnte er über alle Vorgesetzten schimpfen - vom kleinsten wichtigtuerischen Unteroffizier angefangen bis zum sternengeschmückten Oberst. Niemand konnte das hören und niemand konnte das verurteilen. Er las Zeitungen, hörte die selben Melodien vom Orchester und hatte wenig Sorgen, abgesehen vom kleinen Liebeskummer und Furcht vor dem Marsch am nächsten Krankheit war nie ein großes Problem. Der Prozentsatz der Kranken lag durchschnittlich zwischen 2 und 3 und dies war weniger als bei den Briten. Für Brig. 482 verteilten sich die Tage der Krankmeldungen so: Luftwegsinfektionen 32 %; Verletzungen 24 %; Halsinfektionen 16 %; Hautleiden 11 %; Magen- und Darmleiden 8 % und andere Ursachen 9%. Geschlechtskrankheiten folgen oft im Kielwasser von Okkupationen und deswegen wurde starkes Gewicht darauf gelegt, ihnen vorzubeugen. Die Ärzte hielten Vorträge mit Hinweisen auf die Konsequenzen und der Pfarrer sprach die moralische Seite der Sache an. Es wurden Präventivmittel ausgeteilt und sogenannte PAC-Räume eingerichtet, in denen die Soldaten die Prophylaxen zu sich nehmen konnten. Zusätzlich gab es spezielle ärztliche Kontrollen, um eventuelle Geschlechtskrankheiten zu erkennen. Der Dienst verlief nicht ohne Unglücke. Bei jedem Kontingent gab es durchschnittlich drei Todesfälle. Diese verteilten sich auf Autounfälle, Trunkenheit und Todesfälle während des Dienstes. Die Fahrzeugunfälle dominierten, weil die geraden Straßen zu Geschwindigkeiten verführten, für die sich weder die Militärfahrzeuge noch die glatte Straßendecke an manchen Stellen eigneten. Wenn das Unglück geschehen war, brachten die Kameraden gegenüber den Betroffenen ihre Teilnahme durch eine freiwillige Kameradschaftversicherung zum Ausdruck, in die jeder Mann einen Schilling einzahlte. In der Brigade gab es vier Feldprediger, und jeder hatte ein Bataillon und einige selbständige Kompanien als "Kirchengemeinde". Die christliche Tätigkeit umfaßte Kirchenparaden in Verbindung mit den nationalen und kirchlichen Feiertagen, Feldandachten, freiwilligen Gottesdiensten ein Mal in der Woche, Bibelstunden und persönlichen Gesprächen. In der "Sprechstunde" des Pfarrers wurde Themen mit moralischem und christlichem Hintergrund besprochen. Der Pfarrer besuchte Kranke und Arrestanten, und wenn es zu einem Todesfall gekommen war, begleitete er den Sarg nach Hause. Ein guter Feldprediger war für den Geist und die Moral der Truppe von großer Bedeutung, aber die Voraussetzung dafür war die Fähigkeit, sich in die spezielle Umgebung, die Militär ausmacht, hineinzudenken. Insoweit waren wir gut dran. Die Pfarrer gingen mit der Truppe durch Dick und Dünn und sie hatten ein klaren und gut verständlichen Ton der sehr gut zu uns Zwanzigjährigen paßte.
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