Was war die Deutschland-Brigade ?1946 beschloß das Storting in Oslo einstimmig, daß wir eine Brigade von 4000 Mann ab Februar 1947 in Deutschland bereitstellen sollten. Die Absprache galt ursprünglich für zwei Jahre, wurde allerdings später bis 1953 verlängert. Ein wichtiger Grund für den Beschluß des Stortings war, daß wir es als unsere moralische Pflicht ansahen, unseren Anteil der alliierten Bemühungen um die Besetzung Deutschlands zu übernehmen. Ein anderer Grund war, daß wir in Deutschland bedeutend beßere Möglichkeiten vorfinden würden, unser Heer auszubilden, als wir es in dieser Zeit in Norwegen würden schaffen können. Durch die Deutschlandbrigade trug Norwegen in einer für Europa schwierigen Nachkriegszeit zu Ruhe und Ordnung bei. Auch der Dienst in der Brigade war eine besondere Sache für die 50.000 Norweger, der in ihr nach und nach die Reihen füllten. Sie bekamen das durch den Krieg völlig zerstörte Deutschland aus der Nähe zu sehen, stießen aber gleichzeitig auf Erinnerungen alter deutscher Kultur. Andere nützten auch die gut organisierten Möglichkeiten, sich andere Länder in Europa anzusehen. Dienstgrade wie Soldaten kamen nicht nur mit einer guten militärischen Ausbildung nach Hause, sondern auch mit erweiterten Kenntnissen über andere Bereiche unserer Welt sowie Verständnis dafür, daß Kontakte über die Grenzen hinaus dazu beitragen können, die Probleme des anderen zu lösen. Auf der Jalta-Konferenz im Mai 1945 wurde zwischen den USA, der Sowjetunion und Großbritannien ein Abkommen getroffen, nach dem jeder seine Zone besetzen sollte, wenn der Krieg vorüber ist. Später kam auch Frankreich dazu.Die britische Zone, in die die norwegische Brigade gelegt wurde, umfaßte den nordwestlichen Teil von Deutschland; hier kamen die Norweger in zwei verschiedenen Gebieten zum Einsatz. Von ihrer Errichtung an im Februar 1947 bis zum September 1948 lag die Brigade im Bundesland Niedersachsen, genauer gesagt im Harz und weiter nach Westen bis hin zur Weser. Den Rest der Zeit lag sie in Schleswig-Holstein. Der Harz wurde gewählt, weil er in vieler Hinsicht an Norwegen erinnert. Da waren bewaldete Hügel mit Tälern und Bächen, und das Wesertal ähnelte sehr unseren Tälern. Auch gab es im Harz Schnee. Sah man sich die Natur allerdings etwas genauer an, war sie auch wieder sehr anders als bei uns. Moore, Wasser und Wasserfälle fehlten und der Wald sowie die Pflanzen waren sehr einseitig. Im Harz war die Brigade aus historischen Gründen. Hier gab es die alten mittelalterlichen Städte, einzelne mit tausendjähriger Tradition, wo ehrwürdige Kirchtürme mit lautem Glockenspiel, Gassen mit Kopfsteinpflaster, dicken Stadtmauern und schweren Stadttoren dieser Bebauung sein Gepräge gaben. Am bekanntesten war Goslar mit seinen Erinnerungen an die deutsch-römische Kaiserzeit. Auf der anderen Seite in der
sowjetischen Zone konnten die norwegischen Soldaten den Brocken
sehen, mit 1100m der höchste Berg im Harz. In Norwegen ist
dieser Berg mehr als Bloksberg bekannt, dort, wo angeblich jeden
24.Juni die Hexen tanzen. In Schleswig-Holstein traf die Brigade auf eine andere Natur.
Im Osten gab es eine Hügellandschaft mit einzelnen Gruppen von
Mischwald, in der Mitte eine flache Heidelandschaft mit einzelnen
Baumbepflanzungen und im Westen Marschlandschaft mit Schilf und
Sanddünen. Mit seinen vielen Seen, Flüssen, Mooren und
Gehölzen war das eine schmeichelnde, ansprechende und
abwechslungsreiche Landschaft; allerdings war das Winterklima
rauh und grau. Schleswig-Holstein war eine Landschaft, deren
Aussehen überwiegend von Landwirtschaft geprägt war. Im Osten
dominierten die großen Güter, im übrigen handelte es sich
meistens um kleinere Gehöfte. Diese lagen oft so, wie wir es
kannten, in der Gegend verstreut. Auch hier gab es ein reiches
Tierleben, allerdings mit mehr Kleinwild als im Harz: Fasane,
Enten, Hasen, Füchse und Raubtieren. Auf den Gütern waren es
Damhirsche und Rotwild und in Holstein Wildschweine. Der Aufdrag der Brigade Um aber damit zu beginnen: Die Besatzerrolle war die, die dominierte. Das Land war zerstørt, verarmt und seiner zentralen Behørden beraubt, so daß die Møglichkeiten für innere Unruhen und Anschläge gegen die Okkupationsmacht absolut an der Tagesordnung waren. In der ersten Zeit führte die Brigade gemeinsam mit der deutschen Polizei einige Aufträge aus, um den Diebstahl von Vieh und der Ernte von den Feldern zu verhindern und ständig wurde patroulliert, Wegkontrollen vorgenommen und Untersuchungen in den Flüchtlingslagern durchgeführt. Einige von diesen Lagern waren Zentren für Schwarzhandel und heimliches Destillieren von Alkohol. Die Brigade nahm an einer grøßeren Durchsuchung eines solchen Lagers mit 2.500 Flüchtlingen teil. Dies war eine geglückte Operation, die Anerkennung bei den britischen Behørden fand. Aber im Großen und Ganzen zeigte sich, daß die Verhältnisse doch viel ruhiger waren, als man urspünglich geglaubt hatte. Deswegen rückte die Verteidigerrolle mehr und mehr in den Vordergrund, und als sich das Verhältnis zwischen den Siegermächten mit der Berlinkrise 1948 zuspitzte, wurde die Brigade nach Schleswig-Holstein verlegt. Hier lag die Brigade als eine natürliche Stellung zur Verteidigung der skandinavischen Südflanke. Allerdings wurde dies erst nach der Gründung 1949 ein operativer Auftrag. Der Aufbau der Brigade Die erste Brigade wurde 1947 aufgestellt und erhielt damit die Bezeichnung Brig. 471, danach folgte die Br igade 472, Brig. 481 und so weiter, die letzte war dann Brigade 522. Zu dieser Zeit bestand eine operative Einsatzbrigade normalerweise aus 6.000 Mann mit Abteilungen aller Waffengattungen. Allerdings hatte das Storting einen Rahmen von ca. 4.000 Mann festgesetzt was dazu führte, daß die Mannschaftsstärke etwas reduziert werden mußte. Die Gliederung sah folgendermaßen aus: Brigadekommando mit
Sicherheitskompanie und Sicherheitsmannschaft Nach und nach zeigte es sich, daß diese Zusammensetzung zu einem gewissen Überschuß an bestimmten Kategorien führte, während andere mit Blick auf den eigentlichen Bedarf einen Unterschuß aufwiesen.Daher wurde von Zeit z u Zeit eine Veränderung in der Zusammmensetzung vorgenommen. In der Brigade 482 wurden die Aufkärungsschwadronen reduziert und ein leichtes Feldlazarett kam hinzu, in der Brigade 502 wurde so der Rest der Aufklärungsschwadron durch eine motorisierte Schwa dron. Eine mehr umfassende Veränderung wurde bei der Brigade 511 durchgeführt. Dort wurde das eine Infanteriebataillon aufgelöst und statt dessen bekam die Brigade eine Panzerabwehrbatterie. Die Sanitätsabteilung wurde auf eine Sanitätsgruppe reduziert und die Militärpolizeikompanie wurde in einen reinen Trupp umgewandelt. Die motorisierte Kompanie in der Brigade 512 wurde durch eine Luftabwehrbatterie ersetzt und in Brigade 521 wurde die Panzerabwehrbatterie durch eine dritte Batterie eines Feldartilleriebattaillons ersetzt. Die ersten Brigaden wurden von Anfang an auf die britische Organisation und auf britische Waffen gestützt, später wurden eigene norwegische Aufrü'fcstungpläne auf basis amerikanischer Waffen erarbeitet. Nach den Veränderungen sahen die beiden zuletzt erwähnten Brigaden folgendermaßen aus: Brigadekommando mit
Stabskompanie und Sicherheitsmannschaft Um die Kontinuität zu wahren und um sich der Aufgaben anzunehmen, die nicht zu denen einer Feldbrigade gehören, wurde ein eigenes Organ eingerichtet - das Deutschlandkommando (TK) - mit einem General als Kommandeur. Er repräsentierte das Oberkommando des Heeres in Deutschland und hatte auf einzelnen Gebieten - zum Beispiel bei der Diszipin - denselben Status wie ein Gebietskommandeur in Norwegen. Weiter war das Personal mit Verantwortung für die Unterrichtung, den Sport, die Kantinendienste,die Standleitungen (Fernmeldewesen) und die Flugtransporte als Elemente unter dem Deutschlandkommando organisiert, alles zusammen etwa 200 Personen. Ursprünglich war man der Meinung, daß die Brigade auch einen Anteil weiblichen Personals haben sollte, das in der Kantine arbeiten und dort eine heimatliche Atmosspäre schaffen sollte. Das aber rief so starken Widerstand bei verschiedenen Seiten im Storting (Parlament in Oslo) hervor, das man sich entschloß, nur eine begrenzte Zahl sogenannter "reifer Frauen" zu schicken. Unabhängig davon gab es gewöhnlich 10 weibliche Krankenschwestern in jeder Brigade und einige Bürodamen in den Stäben. Der Beschluß brachte es mit sich, daß bald Bedarf an ca. 1.600 deutschen Zivilpersonen für Kantinentätigkeiten, für andere Instandsetzungsarbeiten und für Hilfsdienste bestand. Die waren von unschätzbarem Nutzen, diesen Arbeiten hätten sonst von Soldaten auf Kosten ihrer Ausbildung ausgeführt werden müssen. Die Bewaffnung der
Brigade: .38er Pistole Allmählich ging die Brigade 521 zu amerikanischen Waffen über, nachdem wir unter das Waffenhilfsprogramm der vereinigten staaten fielen. Ab dem Zeitpunkt sah die Bewaffnung dann so aus: 9 mm Pistole (Radom)
Feldkleidung der
Soldaten Das Ende Er dankte auch den Briten und sagte, daß es der guten Zusammenarbeit mit Ihnen zu verdanken war, daß unsere Brigaden ein so gutes Ausbildungsniveau erreicht hatten. Weiterhin dankte er den dänischen in Deutschland stationierten Kräften f ür gute Zusammenarbeit. Nachdem der alte Wunsch: " Gott bewahre den König und das Vaterland" ausgebracht war, begann der Vorbeimarsch der Abteilung. Es gab einen Augenblick großer Röhrung, als der letzte Trupp passiert hatte und die norwegische Flagge eingeholt wurde zu der Weise von "Ja, vi elsker dette landet" (ja, wir lieben dieses Land, norwegische Nationalhymne), gespielt von einem norwegischen und einem britischen Musikkorps. Zum Schluß nehmen wir auch
eine Außerung mit, die General W. Hansteen in einem Interview
mit der Zeitung Aftenposten am 30.April 1966 machte:
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