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Einer, der mit der Transportkompanie 472 dabei war, erzählt:

18156 Gisetstad
Die Rekrutierung des Personals für die Trasnportkompanie fand in der
Zeit vom März bis April statt. Den 3. März treffen sich die
Werkstatttruppen in Helgelandsmoen und gleichzeitig kamen die
Verpflegungstruppen in Jessheim zusammen. Erst am 2. Mai wurden die
Transportgruppen nach Gardermoen einberufen.
Schließlich setzten wir uns in Gang. Wir wurden mit militärischer
Disziplin vertraut und begannen zu marschieren und zu marschieren. Viele
von den Jungen waren nie vorher marschiert, so daß es manches Mal so
schien, als ob sie die Märsche nicht durchstehen würden. Aber nach drei
bis vier Wochen sahen diese Kerl, die von Lindesnes bis zum Nordkap zu
Hause waren, nicht mehr wie Zivilisten aus...
Die letzten vierzehnTage im Juli wurden den Vorbereitungen der
Deutschlandreise ewidmet. Im Lager Vallemyrene fand sich die
Transportkompanie
endlich zusammen und früh am Morgen des 1. August ging es damit los, den
Truppentransporter "Svalbard" zu beladen. In der Mittagszeit verließ dann
das
Boot Herøya mit Kurs auf Deutschland. Das Boot fuhr die norwegische Küste
ein
Stück entlang und gegen 23.00 Uhr Abends versanken die norwegischen Klippen
in
der Ferne. Das Wetter war ganz ausgezeichnet und es wurde ein schöner Abend
mit
Mondschein und ruhiger See.
Manche fühlten sich ein wenig wehmütig, das alte Norwegen zu verlassen, aber
die meistens guckten erwatungsvoll auf das, was wir zu sehen bekommen würden.
Und es ist klar, daß wir gespannt waren. Das Land zu verlassen um im Ausland
Militärdienst zu leisten war ja nicht das, was wir jeden Tag machten. Weder
die
Väter noch die Onkel hatten Erfahrungen dieser Art gemacht. Aber wir fühlten
uns
ganz gut. "Voll tauglich A" wie das im Wehrpass hieß war ja gleichzeitig das
Beste, was man haben konnte und wenn man so um die zwanzig ist versteckt man
sich wohl nicht davor, zu den Auserwählten zu gehören. Das stärkt das
Selbstvertrauen. Im Vorfeld waren wir eingehend informiert worden, wie wir
uns
aufzuführen hätten. Auf korrektes Verhalten wurde großer Wert gelegt. Jeder
Gedanke, daß wir darunter gehen würden, um uns wegen 5 Jahre Okkupation zu
rächen, wurde gründlich ausgeräumt. Wir sollten Friedensdienst leisten,
daher
hieß das auch das Buch, das jedem in die Hand gedrückt wurde, bevor wir von
Norwegen nach Deutschland reisten, "Nach Deutschland für den Frieden".
Am Nachmittag des nächsten Tages tauchte "Das Dritte Reich" am Horizont auf,
und
am frühen Abend desselben Tages machte die "Svalbard" am Kai in Cuxhaven
fest.
Die Zugreise am nächsten Tag nach Northeim war selbstverständlich ein
Erlebnis,
aber die Landsc haft war trist und flach. Wir passierten Bremen und Hannover
und
bekamen den ersten Eindruck von den grauenhaften Zerstörungen des Krieges.
Das
machte auf die jungen Leute, die ja kaum vorher einmal außerhalb ihres
eigenen
Wohnortes waren, einen tiefen Eindruck. Ich zitiere hier einmal eine Passage
von
Thor Knutsen, der hierüber in seinem Buch "1949 - 19989, Norwegisch-Deutsche
Verbindungen" schrieb:
"Ich werde nie den Augenblick vergessen, als vir in Hamburg nach ein paar
Tagen
an Bord der "Svalbard" an Land gingen. Die Hälfte der Truppe war wegen
Seekrankheit während der Überfahrt ziemlich mitgenommen. Bettkojen, vier
oder
fünf übereinander und wir, mit Waffen und Ausrüstung eng zusammengepfercht
wie
die Heringe in der Tonne, führten dazu, daß wir nicht die fittesten waren,
als
wir im Morgengrauen in den Hafen einliefen. Das war ein deprimierender
Anblick.
Wir sahen alles in Ruinen liegen. So weit das Auge reichte, gab es nur
Zerstörungen. Zusammengestürzte Gebäude und Leute, die sich in den Ruinen
niedergelassen hatten, um dort zu wohnen.Das wirkte auf uns unfaßbar. Sollte
ich
vorher den Gedanken an Rache wegen des Auftretens des Herrenvolkes in
Norwegen
gehegt haben, so wurde dieser jetzt rasch vedrängt. Die Leute, die wir am
Kai in
Hamburg sahen, waren mager, grau und bleich, mit gebeugtem Rücken und
zerlumpt
und erzählten uns mehr als man schildern kann, außer, daß das hier ein
geschlagendes Volk. Dabei könnten sie es so gut haben. Zuhause in Norwegen
vor
nur einigen Jahren waren sie es, die das Sagen hatten. Sie hatten viele von
meinen Landsleuten umgebracht, haben Bomben auf viele unserer städt geworfen,
viele gute Landsleute gefoltert, unser Essen und unsere Radios genommen, die
Zeitungen zu eigenen Propagandazwecken beschlagnahmt, uns verwehrt, den 17.
Mai
zu feiern, uns verwehrt, unsere Flagge zu hissen, verboten, unseren
Anstecker an
die Jacke zu heften oder unsere Zipfelmütze auf dem Kopf zu tragen. Der
Versuch,
das Land zu verlassen, war mit der Todesstrafe gleichbedeutend. "Erschossen
werden die, ......" Diese Anordnungen standen wie drohende Gewehrmunition
über
uns allen, junge wie alte--------"
Als wir uns Northeim näherten, veränderte sich die Landschaft. Sie ging über
in
hohe bewaldete Hügel mit alten ehrbaren Burgen auf den Kuppen. Wir kamen in
Northeim gegen vier Uhr nachmittags an. Northeim ist eine ziemlich alte
Stadt
aus dem Mittelalter und wird von einer alten Stadtmauer aus dem zwölften
Jahrhundert durchzogen. Ein großer Teil der Häuser stammt auch aus dieser
Zeit.
Die Kasernen, in die wir einquartiert wurden, sind große, gemauerte Blöcke
mit
vier Etagen, die während des vorigen Weltkrieges gebaut wurden. Die Kasernen
haben als Unteroffiziersschule der Wehrmacht gedient. Innerhalb des
Kasernengeländes gab es auch ein hypermodernes Schwimmbassin wo die
Olympiakandidaten für die Olmpiade 1936 trainiert hatten. Das Schwimmbecken
ist
für die Jungen wie eine Oase in der Wüste gewesen, wenn es darum ging, sich
von
den Mühen des Dienstalltags zu entspannen.
Nach vierzehn Tagen übernahmen wir die Fahrzeuge von der Brigade 471 und
damit alle Transporte von Lebensmitteln von Hannover zum Depot der Kompanie.
Von
diesem Depot aus versorgten wir alle norwegischen und einige englische
Abteilungen. Die Kompanie versorgte mit ihren Transporten ca. 12.000 Mann
mit
Essen. Außerdem lieferte die Kompanie etwa 100.000 Brote aus der eigenen
Bäckerei.
Als einen der ständigen Fahraufträge hatten wir auch die Post von und zu den
Flughäfen Celle und Gütersloh zu transportieren. Vor Weihnachten, als der
Versand von Post unserer Soldaten von Tag zu Tag mehr wurde, mußte die
Transportkompanie LKW für den Transport von und nach Dänemark einsetzen. Die
Fahrzeuge fuhren oft die 970 km lange Strecke in 48 Stunden ohne Halt außer
daß
sie Post am Bahnhof von Padborg einluden. Alles in allem wurden 43.020 kg
Post
transportiert. Der Postmeister der Brigade äußerte sich einmal mit diesen
Worten: Postalisch gesehen klappten die Transporte sehr gut und ohne die
Mitwirkung der Brigade wäre die Verbindung nach Norwegen in dieser Zeit
zusammengebrochen. Ich erlaube mir im Namen der Brigade der Kompanie für die
sehr gut ausgeführten Dienste zu danken. Den Fahrern des II. und III.
Trupps,
die für die meisten dieser Transporte stehen, alle Ehre hierfür.
Der Benzintransport zu den englischen und norwegischen Abteilungen wurden
von
Tankwagen des II. Trupps ausgeführt, alles in allem innerhalb von 6 Monaten
eine
Menge von ca. 3.238.580 liter. Mit diesem Quantum würde ein PKW, der 10 l
auf
100 km verbraucht, 760 mal um die Erde kommen.
Es wäre zuviel verlangt, alle Transporte der Komoanie zu erwähnen, die
ausgeführt wurden, aber die Zahlen über das, was gefahren wurde, sprechen
für
sich. Die Fahrzeuge, die zur Transportkompanie N8 gehörten, waren in großen
Teilen Deutschlands zu sehen, im Westen von Köln bis Berlin im Osten und von
der Schweiz im Süden bis Kopenhagen im Norden. Während dieser Touren hatte
die
Kompanie einen Unfall auf 24.960 km und diese Vorkommnisse waren im Großen
und
Ganzen unbedeutend.
Während des großen Manövers bei Lopshorn im Oktober hatte die Kompanie
außerordentlich beanspruchende Aufgabe, die kämpfende Truppe mit Essen,
Benzin
und Munition zu verpflegen. Außerdem mußten Truppen nach vorn in die
vorderste
Linie zur Ablösung gebracht werden. Das war kein leichter Job, da jeder Tag
zählte, den das Manöver dauerte. Mehr als einmal blieben die Fahrzeuge im
Schlamm stecken, aber wozu war der Vierradantrieb gut? Zu dieser Zeit hatten
die
Mannschaften wirklich wenig Schlaf und wo man ging und stand, durchwatete
man
Schlamm und Regen. Aber die Stimmung war immer obenauf.
Alles hat einmal ein Ende, so auch unser Aufenthalt als Okkupationssoldat in
Deutschland. Manches Mal wurden die Tage vielleicht ein bißchen lang aber
die
meisten behielten ihre gute Laune, obwohl sie einige Male am Nullpunkt war.
Aus
der rückwärtigen Schau sind es die positiven vor den negativen Tagen, die in
Erinnerung blieben und die Meisten haben wohl gute Erinnerungen an die Zeit
als
Soldat in Deutschland.
Soldat nr. 18165 Gisetstad
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